Magen Darm Wohl – wenn’s beim Hund zwickt und zwackt

Wenn die Verdauung nicht ganz mitspielt, ist auch die Stimmung im Keller. Wir kennen das und genauso ist das auf unsere vierbeinigen Lieblinge übertragbar. Zum Glück finden wir die beste Hilfe gegen Blähungen, Durchfall und Co. in der Natur. Kräuter und Teemischungen können helfen, wenn’s im Bauch rumort. 

Achtung! Halten Beschwerden länger als 1-2 Tage an, sollte in jedem Fall eine Tierärztin oder ein Tierarzt aufgesucht werden.  

 

Verdauung in Schwung

 

Bei Darmträgheit, wenn die Verdauung nicht in Schwung kommen mag oder dein Hund an Verstopfung leidet, kannst du es mit Kräutern versuchen, die Bitterstoffe enthalten. Das alte Sprichwort „Was bitter dem Mund, dem Magen gesund“ zeigt, dass man über die Bitterstoff-Wirkung schon früher Bescheid wusste. Mit einem ausgewählten, selbstgemischten Tee hilfst du deinem Liebling zu einem feinen Bauchgefühl. 

Bitterstoffe sind für das gesamte Verdauungssystem sehr wertvoll. In Obst und Gemüse aus dem Supermarkt sind diese kaum mehr anzutreffen, da sie züchterisch weitgehend entfernt wurden. Den Wildpflanzen aber dienen die von Natur aus eigentlich vorhandenen Bitterstoffe z. B. als Fraßschutz um sich vor dem Gefressenwerden zu schützen. 

Werden die Bitterstoffe aufgenommen, kommt es zu einer reflektorischen Anregung aller Verdauungssäfte und Verdauungsdrüsen: Leber, Galle und Darm und damit Speichel-, Magen- und Gallensaftproduktion werden angekurbelt. Und das sorgt wiederum für eine optimale Verdauung, Blähungen und Verstopfung können sich in Luft auflösen. 

Zusätzlich fördern Bitterstoffe die Durchblutung im Verdauungstrakt, was zum Anschwellen der Verdauungsschleimhäute führt und fettlösliche Vitamine (A, D, E) und Eisen dadurch besser resorbierbar macht. Neben dieser positiven Wirkung auf das Verdauungssystem haben Bitterstoffe eine anregende bzw. kräftigende Allgemeinwirkung auf den gesamten Organismus. Auch bei Antriebslosigkeit, nach einer längeren Erkrankung und bei fehlender Energie kann so ein Bitterelixier wach machen und Energie schenken. 

 

Wo kommen Bitterstoffe nun vor? 

Sie sind im Pflanzenreich recht weit verbreitet und finden sich in verschiedenen Familien wie z. B. in Korbblütlern. Vertreter sind hier Beifuß, Löwenzahn und Schafgarbe. Löwenzahn enthält Bitterstoffe in all seinen Pflanzenteilen. Wurzeln, Blätter und Stängel schmecken bitter, allein die Blüte speichert keine Bitterstoffe. 

Bei der Schafgarbe sind es vor allem die feinen, filigranen Blätter, die für die Bitterwirkung verantwortlich sind. Dennoch nimmt man von der heimischen Wildpflanze das ganze Kraut, also Blätter und Blüten, da auch in den Blüten wertvolle verdauungsfördernde Stoffe wie z. B. die ätherischen Öle enthalten sind.  

Wir finden Bitterstoffe aber auch in Ingwer und Gundelrebe. Bei Magenübersäuerung, Sodbrennen, Magen- oder Darmgeschwüren sind Bitterstoffe nicht zu empfehlen. Überdosierungen gilt es zu vermeiden! 

In der vorgestellten Teemischung ist auch Pfefferminze ein wichtiger Bestandteil. Sie gehört zu den Klassikern und Allroundern bei Magen- Darmbeschwerden wie Übelkeit, Reizdarm und Völlegefühl und enthält hohe Mengen ätherischer Öle. Pfefferminztee wirkt krampflösend, beruhigend und entblähend. Außerdem regt er die Gallensaftproduktion an und sorgt so für eine optimale Verdauung. 

 

Teemischung Verdauung in Schwung

2 Teile Löwenzahnblätter

1 Teil Schafgarbe

1 Teil Pfefferminze

 

Zubereitung: 

2 TL der Mischung mit 250 ml kochendem Wasser übergießen und zugedeckt 5-10 Minuten ziehen lassen. Danach abseihen. 

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Koliken und Blähungen

 

Leidet dein Hund an leichten Koliken, Krämpfen im Magen-Darm-Bereich oder an Blähungen, kommen am besten blähungswidrige Kräuter und solche Kräuter zum Einsatz, die eine beruhigende, krampflösende Wirkung besitzen. 

Viele Kräuter mit einem hohen Gehalt an ätherischen Ölen fallen in diese Kategorie, wie z. B. Kamille, Fenchel, Schafgarbe, Gundelrebe (Gundermann) und Zitronenmelisse. Die Fenchelsamen bilden in der Teemischung die Hauptrolle, sie sind Mittel Nummer eins, wenn es um die Linderung von Koliken und Blähungen geht. 

Zitronenmelisse ist eine wahre Meisterin, wenn es um Hilfe bei Stress und Nervosität geht. Denn beides wirkt sich oft auf Magen und Darm aus. Sie kann so einen nervösen Magen beruhigen und trägt zu einem Wohlgefühl bei. Schafgarbe lässt sich im Sommer sammeln, sie wächst in sonnigen Wiesen und Weiden und wirkt verdauungsfördernd, entkrampfend, entblähend und beruhigend bei Magen-Darm-Störungen (Gastritis, Völlegefühl, Durchfallerkrankungen). Kamille hat ebenso eine entkrampfende, beruhigende und leicht schmerzlindernde Wirkung bei Magen-Darm-Störungen. Gundelrebe rundet den Tee perfekt ab. 

 

Teemischung Koliken und Blähungen

2 Teile Fenchelsamen

1 Teil Zitronenmelisse 

1 Teil Kamille 

1 Teil Schafgarbe

1 Teil Gundelrebe 

 

Zubereitung: 

2 TL der Mischung mit 250 ml kochendem Wasser übergießen und zugedeckt 3-5 Minuten ziehen lassen. Danach abseihen. 

Bei der Verarbeitung von Kräutern mit hohem Gehalt an ätherischen Ölen zu Tee muss man bedenken, dass ätherische Öle leicht flüchtig sind. Den Tee sollte man nach dem Aufgießen mit Wasser unbedingt zugedeckt ziehen lassen. So können die ätherischen Öle, die mit dem Wasserdampf nach oben entweichen, am Deckel kondensieren und durch den Deckel wieder in die Teekanne zurück tropfen. 

 

Übelkeit, Erbrechen und Durchfall

 

Zur Linderung von Übelkeit, damit einhergehender Appetitlosigkeit und Erbrechen eignen sich Ingwer und Pfefferminze. Auch hier muss natürlich eine tierärztliche Abklärung erfolgen, sollten die Beschwerden mehr als 1-2 Tage andauern. 

 

Teemischung

2 Teile Pfefferminze

1 Teil getrocknete Ingwerwurzel 

 

Zubereitung:

2 TL der Mischung mit 250 ml kochendem Wasser übergießen und zugedeckt 3-5 Minuten ziehen lassen. Danach abseihen. 

 

Bei Durchfall greift man am besten zu gerbstoffreichen Pflanzen wie z. B. Gundelrebe, Schafgarbe, Frauenmantel, Gänsefingerkraut, Himbeerblättern, Salbei, Heidelbeeren. Gerbstoffe wirken zusammenziehend (= adstringierend), austrocknend (wasserentziehend), stopfend und  entzündungshemmend. 

Bei der Teezubereitung sollte man auf eine längere Ziehzeit achten. Gerbstoffe gehen umso besser in Lösung, je länger man den Tee ziehen lässt! Lässt man den Tee nur 5 Minuten ziehen, werden hauptsächlich ätherische Öle gelöst. Lässt man den Tee aber 10-15 Minuten ziehen, werden mit der Zeit immer mehr Gerbstoffe gelöst. 

Achtung! Überdosierungen können zu Magenreizungen und Verstopfung führen. 

Neben den Teemischungen gibt es noch weitere Möglichkeiten, Magen und Darm positiv zu unterstützen. So kann aus Fenchel und Kamille ein Wickel bzw. eine Auflage gegen Koliken und Blähungen gemacht werden, vor allem, wenn diese Beschwerden stressbedingt verursacht wurden. 

 

Fenchel- und Kamillenauflage: 

Dazu werden 2 EL Fenchelsamen oder 2 EL Kamillenblüten zuerst im Mörser angedrückt und dann mit 300 ml heißem Wasser übergossen. Zugedeckt lässt man das Ganze etwa 5-10 Minuten ziehen und gießt den Kräuterauszug dann durch ein Sieb über ein Tuch (Windelvlies, Taschentuch, Küchenrolle etc.), welches man dazu am besten in einen Topf legt, ab. Das Tuch sollte in etwa die Größe der Auflagefläche (Bauchregion) haben. 

Danach wird das Tuch gut ausgewrungen. Dein Hund sollte entspannt auf der Seite liegen. Dann legt man das Tuch auf die Bauchregion auf und deckt das Tuch rasch – um ein Abkühlen zu verhindern – mit einem Außentuch (Flanell- und Frotteehandtuch, Mullbinden, Schal) ab. Für zusätzliche Wärme sorgt eine weitere Schicht oder auch Rohwolle. Die feuchte Wärme des Wickels wirkt tief und intensiv auf das gereizte Verdauungssystem. 

Den Wickel lässt man, solange ihn der Hund als wohltuend empfindet, ca. 5-10 Minuten einwirken. Danach kann man es auf der anderen Seite wiederholen. 

Aus Fenchel und Kamille lässt sich auch ein Bauchweh-Öl machen, welches man bei Beschwerden sanft in die Bauchregion einmassiert. 

Dazu wird ein kleines Marmeladenglas zur Hälfte mit einer Mischung (1:1) aus getrockneten und gut zerkleinerten Kamillenblüten und im Mörser angedrückten Fenchelsamen befüllt. Dann wird das Glas mit kaltgepresstem Bio-Olivenöl aufgefüllt und verschlossen. 

Mit Inhalt und Datum beschriftet lässt man den Ölauszug nun drei bis vier Wochen bei Zimmertemperatur an einem schattigen Platz ziehen und schüttelt gelegentlich. Danach wird das Bauchweh-Öl durch ein Sieb abgeseiht und zur Aufbewahrung in dunkle Flaschen gefüllt. Es ist etwa sechs Monate haltbar. 

 

Verdauungsförderndes Kräuterpulver  

 

Selbstgemachte Kräuterpulver sind eine wunderbare Möglichkeit, verdauungsfördernde Kräuter regelmäßig in das Futter einzubauen. Pro Mahlzeit kann man eine Messerspitze einfach unterrühren. 

So geht’s: 4 EL Schafgarbe, 2 TL Kamille, 2 TL Fenchelsamen, 1 TL Kamille und 1 TL Pfefferminze werden gemeinsam im Mörser, in der Mühle oder einem guten Mixer gemahlen, bis ein feines Pulver entsteht. Dunkel gelagert ist es ca. sechs Monate haltbar. 

Valerie Jarolim

Pflanzen gehören seit meiner Kindheit in Oberösterreich zu meinen Begleitern – früher als märchenhafte, wunderschöne und duftende Wesen und später, während meines Agrarwissenschaft-Studiums an der Universität für Bodenkultur in Wien als wissenschaftliche Objekte mit exakt bestimmbaren Eigenschaften und Merkmalen. Seit 2014 arbeite ich als Kräuterpädagogin und gebe mein Wissen über Kräuter auf blattunddorn.at an Kräuterfans weiter.

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Kommentare zum Artikel (1)

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1 Kommentar

  1. Danke für den tollen Beitrag, über das Magenwohl des Hundes. Ich habe das Gefühl, dass mein Hund Magenschmerzen hat, weshalb ich ihm gerne helfen möchte. Ich werde die Teemischung nutzen, um die Verdauung meines Hundes zu bessern.

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