Erfüllung der NRC Bedarfswerte bei Katzenbarf

Die Tierernährung ist ein heiß umkämpftes Feld. Ein Futtermittel speziell für mein Individuum Katze – ihre Rasse, ihre Lebensphase, ihre Haltungsform, ihr Temperament, ihre kulinarischen Vorlieben, jegliche gesundheitliche Disposition: Wer träumt nicht davon, seinem geliebten Stubentiger die Bausteine für ewiges Leben in den Napf füllen zu können?

Ursprung

Betrachten wir es aus einer anderen Perspektive: Dass sich die Geister hinsichtlich der Wichtigkeit und auch der Richtigkeit einer hochwertigen Katzennahrung scheiden, liegt am Verständnis der Bedürfnisse unseres domestizierten Stubentigers. Und so finden wir in den diversen Internetforen Tierbesitzer, für die die Ernährung lediglich Mittel zum Zweck ist: Denn schließlich haben die Katzen Jahrhunderte und Jahrtausende überlebt, ganz ohne das aktive Zutun oder vielmehr: die aktive Zufütterung des Menschen.

Bedenken wir jedoch, dass Katzen in freier Wildbahn ohne jeglichen Anschluss an den Menschen gerade mal vier Jahre alt werden, während sie in unserer Obhut das biblische Alter von 20 Jahren und mehr erreichen können, so dürfen wir der industriellen Tiernahrung und natürlich auch der sich immer weiter entwickelnden Veterinärmedizin ihren positiven Einfluss nicht absprechen.

Weshalb also diese kräftezehrenden Grabenkämpfe, in denen sich die Argumente stets nur um sich selbst drehen und in denen die Position für eine artgerechte Ernährung einem Kampf gegen Wildmühlen gleicht? Wir sehen uns im Bereich der Katzenfütterung mit einer festzementierten Schwarz-Weiß-Malerei konfrontiert: Auf der einen Seite sind diese TierbesitzerInnen (und ja, darunter auch ich) die laut fordern: Eine Katze ist ein Raubtier und muss daher auch wie eines ernährt werden.

 

Futtermittelindustrie

Auf der anderen Seite stehen Tierhalter und Tiertherapeuten, die jegliche Verantwortung über die Ernährung der Katzen in die Hände der Futtermittelindustrie legen. Schließlich sind die Rezepturen ja „von Tierärzten“ entwickelt, da müssen sie ja gut sein – oder?

Machen wir uns bewusst, worauf die Rezepturen der Fertigfuttermittelindustrie basieren, und warum diese gerade auf die artgerechter ernährten Tiere und insbesondere die gebarften Tiere nicht unhinterfragt übertragen werden können.

 

Bedarfsdeckende Nährstoffzufuhr

Hinsichtlich des tatsächlichen Nährstoffbedarfs der Katze liegen und nur einige wenige Untersuchungen vor – die bekanntesten und im deutschsprachigen Raum am weitesten verbreiteten Werte stammen vom National Research Council (NRC) und Prof. Dr. Wanner von der Universität Zürich.

Stellen wir diese Werte gegenüber, so ergeben sich große Diskrepanzen und auch Spannen, in denen Nährstoffe als bedarfsdeckend gelten. Sehen wir uns dies beispielsweise anhand des Spurenelements Zink an: Sein Bedarf wird zwischen 0,8 und 2 mg pro kg Körpergewicht angegeben. Ein ganz ordentlicher Unterschied!

Wo liegt anhand dieser unklaren und voneinander abweichenden Auswertungen die Grenze zwischen einem bedarfsdeckenden Gehalt an bestimmten Vitaminen oder Nährstoffen – und wann gilt der Gehalt als nicht-bedarfsdeckend? Wann ist ein Futtermittel als potentiell gesundheitsschädigend zu werten, und welche Abweichungen von den ermittelten Bedarfswerten darf toleriert werden?

Insbesondere wenn das Thema biologisch artgerechte Rohfütterung angeschnitten wird, werden gravierende Abweichungen von den errechneten Bedarfswerten angekreidet – den Tieren mangle es an lebenswichtigen Vitaminen und Mineralstoffen. Zunächst einmal gilt es jedoch zu klären, was denn überhaupt als BARF bezeichnet und in diesem Kontext untersucht wurde: Ein wirklich ausgewogenes Prinzip oder aber eine „Pi mal Daumen“-Rezeptur, die unter Umständen tatsächlich zu Ungleichgewichten im Nährstoffhaushalt führen kann?  

 

Vorteile von BARF

Wenn wir uns vor Augen halten, auf welche Weise die Werte des NRC ermittelt wurden, so wird uns klar, warum sie nicht 1 : 1 auf BARF und auch nicht auf hochwertige Nassfuttersorten übertragbar sind: Der NRC erhob seine Werte anhand von Einzeltieren in Laboranordnungen und einer entsprechend künstlichen Lebenssituation. Die Tiere bekamen ein, ganz unverblümt betrachtet, extrem minderwertiges Futter aus Kartoffel, Talg etc. zu fressen – und anhand dieser Futterkomponenten errechnete man dann, wie viel Zusatz dieses Vitamins und jedes Mineralstoffs zugesetzt werden muss, damit das Tier überlebensfähig ist.

Stellen wir nun eine berechtigte Frage: Was nützt uns denn die intensive Supplementierung und die rein rechnerische Deckung des Nährstoffbedarfs, wenn dabei der Stoffwechsel unserer Katze sprichwörtlich vor die Hunde geht?

Bereits aus der Beschäftigung mit dem Atwater-Faktor haben wir erfahren, dass die Proteine, Fette und auch Kohlenhydrate in einem naturnahen Fütterungskonzept eine deutlich höhere Bioverfügbarkeit aufweisen als dieselben Nährstoffe in einem prozessierten Futtermittel – und selbiges gilt auch für Vitamine und Mineralstoffe, auf die der Fokus in komplexen Rationsberechnungen gelegt wird.

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Mineralstoffe

Eines dürfen wir nie vergessen: Insbesondere die Mineralstoffe stehen nie gesondert für sich, sie gehen intensive Wechselbeziehungen ein – der Überschuss des einen Minerals kann zu einem Mangel eines anderen Minerals führen und umgekehrt. Sehen wir uns das nochmal am Beispiel von Zink an: Die Katze kann ihren Zinkbedarf für gewöhnlich durch die Aufnahme von Muskelfleisch und Innereien decken.

Ein Barf-Prinzip, dem das natürliche Beuteschema der Katze zugrundeliegt, wird daher nicht zu einem Zinkmangel bei der Katze führen. Jedoch kann bei gewissen Erkrankungen und gesundheitlichen Dispositionen ein Zinkmangel entstehen – bei Verdauungsstörungen beispielsweise oder Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse. Dieser Zinkmangel wiederum kann sich in einer akuten oder chronischen Immunschwäche bemerkbar machen sowie in Veränderungen von Haut und Fell.

Jedoch wird auch ein ausgewogenes Barf-Prinzip weder beim Hund noch bei der Katze die von NRC ermittelten Bedarfswerte decken – ein Phänomen, das immer wieder zu heißen Diskussionen zwischen den verschiedenen „Rudeln“ zertifizierter Ernährungsberatern und zu Verunsicherungen bei den Tierhaltern selbst sorgt.

Ruft man sich hier aber ins Gedächtnis, dass dieser Wert aufgrund der Verfütterung einer hochverarbeiteten Fertignahrung mit artwidrig hohem Getreideanteil ermittelt wurde, so leuchtet diese Diskrepanz ein: Die Phytinsäure im Getreide kann die Zinkresorption hemmen, so dass entsprechend viel Zink zugegeben werden muss, um den Zinkbedarf des Hundes oder auch der Katze zu decken. Entsprechend hoch muss der Wert angesetzt sein.

Wie wir wissen, sind insbesondere die Resorption von Calcium und Zink sehr eng verzahnt: Eine kontinuierliche Überversorgung mit Calcium kann zu einem Zinkmangel führen. In einer ebenfalls sehr engen Abhängigkeit zum Zink liegt das Kupfer, das – wenngleich der Körper nur sehr geringen davon benötigt – ebenfalls zu vehementen Diskussionen in der Riege der Ernährungsberater führt: Kupfer spielt gerade in der Eisenresorption, aber auch in der Blutbildung eine zentrale Rolle.

Insbesondere wenn der Halter der gebarften Katze oder des gebarften Hundes von seinem Tierarzt dazu angehalten wird, ein „BARF-Profil“ im Blut anzufertigen (über Sinn und Unsinn werden wir noch sprechen), so ist der Kupfer-Wert oftmals erniedrigt oder auch zu niedrig.

Bei einer ausgewogenen Fütterung kann die Katze ihren Zinkbedarf durch die Aufnahme und Verstoffwechselung von Muskelfleisch und insbesondere Innereien decken; ein Mangel entsteht durch eine sehr einseitige Ernährung etwa überwiegend mit Muskelfleisch, aber auch bei wiederkehrenden Verdauungsstörungen oder auch Resorptionsstörungen im Darm, die mitunter auch durch eine Fehlfunktion der Bauchspeicheldrüse bedingt sein können.

 

Vitamine

Ganz ähnliche Thematiken entstehen, wenn wir uns dem Thema Vitamine zuwenden: Insbesondere bei der Bedeutung von Vitamin A wird gerade die biologisch artgerechte Ernährung hier in Verruf gebracht – der Leberanteil versorge die Katzen mit einem abnormal hohen Gehalt an Vitamin A, so dass es zu massiven gesundheitlichen Einschränkungen wie beispielsweise Verknöcherungen der Wirbelsäule kommen kann.

Hier zeigen sich extreme Abweichungen – so geben die unterschiedlichen Institutionen den Vitamin A-Bedarf der Katze zwischen knapp 50 und 700 IE (Internationalen Einheiten) pro kg Körpergewicht und Tag an. Eine unwahrscheinliche Diskrepanz, die uns an der Wertigkeit, nein: Verwertbarkeit und Anwendbarkeit dieser Untersuchungen zweifeln lässt, nicht wahr.

 

Fazit

Wenn wir nun im Austausch mit Kollegen und anderen Beratern im Bereich der ganzheitlichen Tierernährung auf diese Art von Diskussionen stoßen, so machen wir uns stets bewusst: Die Bedarfswerte dienen der Orientierung, sind aber gerade bei sehr hochwertigen Futtermitteln und bei der biologisch artgerechten Rohfütterung im besonderen nicht unhinterfragt auf unser Tier anzuwenden – und wer schon einmal an der Tatsache verzweifelt ist, dass sich sein ausgeklügeltes Beutetierprinzip an mancher Stelle doch an den künstlich erhobenen und rein mathematischen Berechnungen der Bedarfswerten beißt, der darf nun erleichtert aufatmen.

Mag. Franzisca Flattenhutter

Ich bin Franzisca … und wohl der Inbegriff dessen, was man „verrückte Katzenlady“ nennt. Als Tierheilpraktikerin liegt mein Fokus auf klassischer Homöopathie und ganzheitlicher Ernährungsberatung – letzteres darf ich nun in der Online-Ausbildung zum/zur KatzenernährungsberaterIn an dich weitergeben.

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