Ruhe als Hundefriseur
In Gesprächen mit Schülern werde ich oft gefragt: „Was ist der wichtigste Tipp, den du uns geben kannst?“
Und dann gebe ich eine Antwort, die vielleicht so nicht erwartet wird. Keine Schere, keine Schermaschine und auch kein Fön…. Sondern, Ruhe!
Ruhe bedeutet nicht einfach ich verhalte mich ruhig. Ruhe im Hundesalon baut eine Verbindung zum Tier auf und schafft eine besondere Atmosphäre, in der du professionell und schonend für Dich und den Hund arbeiten kannst.
Ausgeglichenheit im Umgang mit Hunden
Hunde haben ganz feine Antennen. Sie spüren, ja riechen sogar jede Form von Stress, Anspannung oder Angst. Das bedeutet: wenn du entspannt bist, bietet die Arbeit auch wesentlich weniger Plattform für Gefahren wie Aggression, Angst – Beißen oder runterspringen vom Trimmtisch. Man kann sagen, die Hunde lesen uns sprichwörtlich. Das heißt nicht, dass du jeden Tag ausgeglichen sein musst. Das wäre nicht realistisch. Es geht darum, dass du weißt, wie du auch in stressigen Situationen eine gute Stimmung im Hundesalon hinbekommst.
Der Hund ist dein Spiegel. Er zeigt, wie es in dir drin aussieht.
Ruhe und Vertrauen schaffen
Vertrauen entsteht nicht automatisch, indem man Hunde liebt – obwohl das natürlich schon mal Voraussetzung ist. Aber es braucht mehr:
• Eine Routine der Vorgehensweise ist empfehlenswert. Fange immer am selben Ort an, mach dir einen Ablauf, der für dich stimmig ist. Jedes Mal wenn der Hund wieder kommt, weiß er was auf ihn zukommt. Das schafft Vertrauen.
• Achte auf Berührungen, die der Hund kommen sehen kann. Keine hastigen oder groben Berührungen. Keine Ruckartigen Drehungen des Hundes
• Immer sanft sein, wenn der Hund irgendwo mal blockiert. Sei flexibel und mache vielleicht doch erst einen andern Teil – abweichend der Routine – und kehre dann wieder zu deiner Routine zurück.
• Seid stets geduldig, auch wenn es manchmal schwerfällt. Wenn Du nervös wirst, wird es der Hund mit Sicherheit auch. Du tust also beiden einen Gefallen, wenn du entspannt bleibst.
• Schaue auf eine gute Seelenpflege für dich selbst, damit du so ausgeglichen wie möglich bist. Für jeden bedeutet das etwas anderes. Das können Spaziergänge an der frischen Luft sein, Atemübungen und Meditationen, Yoga oder diverse andere Sportarten. Auch musizieren oder sich kreativ betätigen hilft, Stress abzubauen und sich selbst zu spüren und Zeit für sich zu haben.
Du kannst das auch mal testen und beobachten, wie sich ein Hund, beziehungsweise sein Verhalten, verändert wenn sich Dein Inneres verändert.
Welche Vorteile bringt ein entspannter Hund noch?
• Der Hund lässt sich einfacher zum Trimmtisch oder in die Badewanne führen.
• Er hat weniger Angst vor Werkzeugen oder wenn man mal was entfilzen oder rausschneiden muss.
• Du kommst besser klar mit Arbeiten an heiklen Stellen wie zwischen den Zehenballen, Augen, Ohren oder Intimbereich.
• Er wird weniger körperliche Stressanzeichen zeigen, wie Hecheln, Zittern, Jaulen etc.
Wie sagt man so schön: in der Ruhe liegt die Kraft. Dieser Satz trifft hier voll zu, denn mit Kraft und Zwang wirst du nichts erreichen, außer Stress und gefährliche Situationen für dich und das Tier.
Ein paar praktische Tipps, wie du das eben Beschriebene anwendest:
Keine Sorge, Du musst nicht der absolut emphatische Typ sein und die Ruhe immer fühlen… Es gibt Techniken, mit denen man erlernen kann, wie man ein ruhiges Arbeitsumfeld schafft.
1. Wiederholende Arbeiten
Hunde lieben Routine!
• Lass den Hund erst mal ankommen, dann reiche ihm deine Hand, um dich zu beschnuppern und um ihm zu zeigen, dass Du ihn nicht gleich zu etwas zwingen möchtest.
• Dann kannst Du mit der Handaußenfläche vorsichtig die Brust berühren.
• Als nächstes den Rücken, einfach mal eine Handfläche auflegen.
• Den Kopf würde ich als letztes bearbeiten. Das braucht viel Vertrauen.
2. Atemübungen
Wenn du merkst, dass du unruhig, müde oder gestresst bist, kannst du diese Übung versuchen:
Atme 4 Sekunden lang durch die Nase ein, halte 2 Sekunden und atme 6 Sekunden durch den Mund wieder aus. Wiederhole das Ganze 5–6 Mal.
3. Bewusste Bewegung
Versuche mal richtig langsam zu arbeiten, so dass du dich schon fast zwingen musst langsamer zu werden. Mache es wie ein Faultier, nur einen Moment. Das verändert Deine/eure ganze Energie
4. Pausen
Wenn alles stagniert, lege auch während der Pflege eine kurze Pause ein. Pipi-Runde mit dem Hund, einen Schluck zu trinken für Euch beide, den Hund im Salon kurz herumgehen lassen.
Warum wird bei Ruhe auch das Schnittbild besser?
Wenn Dein Hund entspannt ist, hast du Zeit sehr exakt und ohne Druck zu arbeiten. Das lässt auch Raum für mehrfache Kontrollen oder auch kreative Ansätze.
Welche Vorteile Ruhe bringt:
Saubere Schnitte
Der Hund steht still:
• Du schaffst feine und saubere Übergänge.
• Du kannst saubere Linien schneiden.
• Gesichter und Pfoten können richtig rausgearbeitet werden und Kundenwünsche können berücksichtig werden.
• Du kannst schöne Formgebungen erzielen.
Sicherheit
Weniger Stressverhalten beim Hund:
• Die Verletzungsgefahr verringert sich deutlich.
• Beide Seiten sind weniger gestresst.
• Schnelleres Ergebnis des gewünschten Schnittbildes.
Zeit ist Geld
Eine falsche Annahme ist, dass Ruhe Zeit braucht. Vielleicht bei einem ganz neuen Hund. Da kann es sein, dass du mal etwas mehr Zeit investieren musst, aber das holst du längst wieder bei allen anderen Besuchen auf. Ein entspannter Hund spart dir beim Pflegen enorm viel Zeit, selbst wenn du dazwischen mal eine Pause einlegst.
Kundenzufriedenheit
Die Hundehalter merken natürlich sofort, ob sich ihr Vierbeiner bei Dir wohl fühlt. Und wenn das der Fall ist, werden sie treue und dankbare Kunde sein.
Wenn der Hund bei dir ruhig und entspannt ist:
• Du gewinnst das Vertrauen der Besitzer.
• Auf Spaziergängen und in Bekanntenkreisen wirst du weiterempfohlen.
• Du gewinnst Kunden, die langfristig und regelmäßig Termine buchen.
Ruhe ist somit dein Erfolgsfaktor auf ganzer Linie
Was lehrt uns der Beruf als Hundefriseur emotional betrachtet?
Die Kunst der Ruhe wird nicht nur Deine Arbeit, sondern auch Dich verändern.
Achtsamkeit lehren im Alltag
Wer mit Tieren arbeitet weiß, man lernt im Jetzt zu sein, achtsamer zu werden und sich selbst mehr zu kontrollieren.
Was bedeutet das für Dich persönlich?
• Du wirst selbstbewusster.
• Geduld fällt dir leichter.
• Du wirst emphatischer, möglicherweise auf eine andere Weise als du es bis dahin kanntest.
• Mit der Zeit wirst du gelassener.
Ruhe als Teil deiner Berufung
Grooming kann man als Handwerksberuf bezeichnen, aber er ist auch ein Weg, um selbst mehr innere Balance zu erlangen und in diversen Lebensbereichen aufmerksamer zu werden.
Ruhe und Ausgeglichenheit schaffen die Basis für jede Hundefriseur-Arbeit. Sie sind entscheidend für Sicherheit, Vertrauen und tolle Ergebnisse.
Wenn Du Dein Werkzeug beherrschst und Dich an Regeln hältst, die Dir und dem Hund zugutekommen, hast Du meiner Meinung nach einen der erfüllendsten Berufe überhaupt.
Und weißt du was? Ruhe ist ansteckend und definitiv die Sprache, die Hunde am besten verstehen.
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