Warum rund 80 % der KatzenbesitzerInnen (unbeabsichtigt) falsch füttern

Warnung: Dieser Artikel kann Spuren von Zynismus beinhalten

 

Mit KatzenbesitzerInnen über das Thema Futter zu diskutieren, kann manchmal ein Kampf gegen Windmühlen sein – oder auch ein heftiger Schlagabtausch, denn: Als ganzheitliche ErnährungsberaterInnen werfen wir alle tradierten Fütterungskonzepte über den Haufen, und mit ihnen eine Menge an Ernährungsmythen. 

Uns interessiert es nicht, ob die Katze der Nachbarin der Großtante nur mit Trockenfutter vom Discounter ernährt wurde und dennoch ein biblisches Alter von 14 (hüstel) erreicht hatte, bevor ihre Nieren versagten – katzentypisch eben (räusper). Uns interessiert nicht, ob das Futter besonders teuer war oder ausschließlich beim Tierarzt oder der Tierärztin verkauft wird, denn beide Kriterien sagen nichts, aber auch gar nichts über die Qualität von Futtermitteln aus. 

Uns interessieren keine Werbeversprechen und keine exotischen Nahrungsergänzungsmittel, die der Katze wenn schon kein ewiges Leben, dann zumindest doch ein schönes Fell verleihen sollen. Und nein, wir haben den Glauben daran, dass Trockenfutter gut für die Zähne ist, schon längst als unsinnig beiseite geschoben und uns stattdessen bewusst gemacht, was hochverarbeitete, nährstoffarme Kohlenhydratpellets mit den Zahnstrukturen machen: nämlich Beläge (Plaque), Zahnstein, Zahnfleischentzündungen. 

 

80 % füttern falsch!

 

Die Praxiserfahrung zeigt: Rund 80 % der KatzenbesitzerInnen füttern falsch. Und das nicht etwa, weil sie unseriös beraten wurden oder mit besonders verdauungssensiblen oder mäkeligen Tieren gesegnet sind, sondern weil sie füttern, „wie man das halt macht und schon immer gemacht hat“: ein bis zwei Mal am Tag Nassfutter, ein Schälchen Trockenfutter steht zur freien Verfügung, weil die Katze tagsüber munter vor sich hin knuspern möchte und sich am Futter einfach bedienen soll. Wie in der freien Natur eben. Dort knabbert die Katze auch an der Weizenähre und wartet ganz entspannt darauf, dass ihr mal wieder ein Mäuschen ins Maul hüpft. 

Ähnlich vielfältig wie die Auswahl an Fertigfuttermitteln ist auch die Auswahl an Leckerlis und sonstigen geschmacklichen Highlights, mit denen man das öde Nassfutter für den exquisiten Katzengaumen pimpen kann: Wir finden Fleischgewürz aus getrockneter und gemahlener Leber und Geschmacksverstärker auf Hefe-Basis. Wir können der Katze durch Malz-, Milch- und Vitaminpasten ein Plus an Nährstoffen zukommen lassen und sie durch Katzenpudding und Schleckpasten verwöhnen. 

Wir können unseren so sensiblen Tieren, die ja von Natur aus schlechte Trinker sind, Vitaldrinks anbieten, mit denen der KatzenbesitzerInnen lediglich teure Brühe mit Fleischfetzen kauft, oder spezielle Katzenmilch, die nicht etwa aus Milch besteht, nein, sondern aus Milchpulver, Molkereierzeugnissen, Getreide, Zucker und Wasser. 

 

Was ist in der heutigen Katzenernährung noch artgerecht? 

 

Eigentlich sind die Ernährungsbedürfnisse einer Katze sehr schnell und konkret formuliert: Die Katze ist ein obligater Karnivor, die mit all ihren Verdauungsstrukturen und in all ihren Stoffwechselprozessen auf den Verzehr überwiegend tierischer Nahrung ausgerichtet und darauf angewiesen ist, um gesund und agil zu bleiben.

Was wir jedoch tagtäglich in den Napf unserer Katze füllen, gleicht hinsichtlich der Rezeptur einem eiweißlastigen Müsli, das mit tierischen Fetten und einem absurden Potpourri an Lock- und Aromastoffen angereichert wurde, um dem eigentlich sehr ursprünglichen Instinkt unserer nur scheinbar domestizierten Samtpfote ein Schnippchen zu schlagen: Freiwillig würde keine Katze sich über minderwertige Schlachtnebenerzeugnisse und Abfälle aus der Pflanzen- und Getreideverarbeitung hermachen – mit Karamell glasiert, in den buntesten Nuancen gefärbt und mit reichlich „umami“ auf Fleisch gedrillt, lässt sich das Kätzchen aber dennoch überzeugen. 

Der Schlüssel liegt in der Sensorik: Denn obwohl man der Katze einen sehr feinen, elitären Gaumen nachsagt, besitzt sie nur einen Bruchteil jener Geschmacksknospen, die uns Menschen zur Verfügung stehen. Ob ein Futter für sie genießbar und akzeptabel ist, bestimmt die Katze überwiegend durch ihren Geruchssinn – und der lässt sich hervorragend austricksen, indem man minderwertigen Grundrezepturen einen olfaktorischen „Kick“ gibt und sie intensiv riechen lässt. 

Bereits über die Muttermilch und die erste feste Nahrung lernen die Kitten, dass Nahrung stark riechen und schmecken muss, um genießbar zu sein – ein Stolperstein, der auch den adulten Katzen später auf dem Weg zur artgerechten, vollwertigen Ernährung im Wege liegt: Wir alle kennen jene scheinbar verwöhnten, in Wirklichkeit jedoch „nur“ gravierend fehlgeprägten Katzen, die nur Trockenfutter akzeptieren, nur Futterbröckchen in Sauce, nur Futter dieser einen Marke oder dieser einen Geschmacksrichtung. 

Mit ihnen beginnt der/die ganzheitliche ErnährungsberaterIn eine spannende und mitunter nervenaufreibende Reise weg vom Chemiebaukasten der sensorischen Reize hin zu einer artgerechten Rohfütterung, die auf all diese Zusätze verzichten will und verzichten kann. 

Zunächst gilt es jedoch, die Menschen zu einem Umdenken zu bewegen. Lass uns mit den Basics beginnen: Trockenfutter ist der erste Posten, der aus dem Menüplan der Katze gestrichen werden muss. Und zwar rigoros. Dabei spielt es keinerlei Rolle, aus welchem Geschäft oder aus welcher Praxis das Futter stammt und ob der Sack nun zwei Euro oder 70 Euro gekostet hat. Trocken ist trocken, trocken bedeutet kohlenhydratlastig – und weder „trocken“ noch „kohlenhydratlastig“ haben im Verdauungstrakt der Katze etwas zu suchen. 

TEILEN

 

Was gegen Trockenfutter für Katzen spricht

 

Wir beginnen mit den Basics: Als ehemaliger Wüsten- und Steppenbewohner ist die Katze darauf ausgerichtet, ihren Flüssigkeitsbedarf weitestgehend über ihr Futter zu decken. Beim Verzehr von selbstgefangenen Beutetieren oder auch hochwertiger Feuchtnahrung gelingt ihr das auch; die gesunde Katze wird aufgrund dessen nur noch wenig Waser aktiv zu sich nehmen. 

Anders ist es jedoch beim Trockenfutter, das für gewöhnlich einen Feuchtigkeitsanteil von gerade einmal 7 bis 10 Prozent aufweist: Um dieses im Magen aufweichen zu können und es so für den weiterfolgenden Verdauungsprozess vorbereiten zu können, muss die Katze die bis zu vierfache Menge an Flüssigkeit aufnehmen – ein Akt, der ihrer gesamten Physiologie gänzlich entgegensteht und die Nieren der Katze gravierend überlastet. 

Mehr noch: Auch wenn sich viele Hersteller eine fleisch- und eiweißlastige Rezeptur auf die Fahne schreiben und mit „Verzicht auf Getreide“ werben, so sind Trockenfutterpellets doch nicht mehr als Kekse für den Fleischfresser Katze, die den gesamten Verdauungstrakt be- und überlasten, zu Reizungen und Entzündungen der Darmschleimhäute und Fehlbesiedelungen der Darmflora führen und darüber hinaus auch die Leber und die Bauchspeicheldrüse als zentrale Stoffwechselorgane schädigen können. 

 

Der einzige wirklich nachvollziehbare Grund, einer Katze Trockenfutter vorzusetzen, ist jener: Es ist praktisch aufzubewahren und lange haltbar. Diese fadenscheinigen Argumentation schließen sich jedoch eine Vielzahl an Kontra-Argumenten an: 

• Trockenfutter reinigt die Zähne nicht, Trockenfutter legt einen schmierigen Stärke-Belag auf die Zahnstrukturen, die in Kontakt mit Mineralien aus dem Futter und dem Speichel aushärten und Zahnstein bilden können – und der wiederum bietet einen idealen Nährboden für Krankheitskeime jeglicher Art. 

• Kohlenhydratlastiges Futter (Trockenfutter) setzt die Speichelproduktion nur unzureichend in Gange. Der Speichel jedoch besitzt desinfizierende Eigenschaften und gilt als eine der ersten Immunbarrieren des Körpers. Wird diese außer Kraft gesetzt, können Krankheitskeime leichter in den Verdauungstrakt der Katze gelangen. 

• Kohlenhydratlastiges Futter genügt als Reiz nicht, um die Magensaftproduktion anzuregen: Mit einem pH-Wert von 1,5 bis 2 ist der Magensaft der Katze sehr sauer und gilt ebenfalls als Schutzbarriere gegen Krankheitskeime und Parasiten. Wird auch die Magensaftproduktion ausgehebelt, kann sich der Verdauungstrakt kaum noch gegen schädigende äußere Einflüsse schützen. Wiederkehrenden Infektionen und Fehlbesiedelungen der Darmflora wird damit Tür und Tor geöffnet. 

• Die Bauchspeicheldrüse der Katze produziert das stärkespaltende Enzym Amylase zu einem sehr geringen Teil: Folglich ist der Stoffwechsel der Katze gar nicht in der Lage, die Kohlenhydrate im Futter aufzuspalten. Eine dauerhaft artwidrige, enzymarme und stärkehaltige Nahrung kann zu anhaltenden Reizzuständen des Pankreas und schließlich zu Entzündungen und Funktionsausfällen führen. 

• Die Leber der Katze ist ein hochspezialisiertes Stoffwechselorgan und befähigt die Katze, einen Großteil ihrer Nährstoffe aus dem Verzehr tierischer Futterkomponenten zu gewinnen. Im Gegenzug besitzt die Leber nur eine gering ausgeprägte Fähigkeit der Glukoronidierung, sprich der Ausscheidung schädigender Substanzen aus dem Körper. Wird der Körper der Katze nun anhaltend mit minderwertiger Nahrung und synthetischen Zusatzstoffen überfrachtet, wird sich das langfristig auch auf die Lebergesundheit auswirken. 

• Der Darm der Katze ist sehr kurz und weist sie ebenfalls als reinen Fleischfresser aus. Eine bakterielle Zersetzung von Pflanzenfasern, wie wir sie beispielsweise in den Dickdarmstrukturen des Pferdes finden, erfolgt bei der Katze nicht. Ein Futter, das gespickt ist mit Getreide und Pflanzenstoffen, kann die Gesundheit des Verdauungstrakts erheblich stören. Die Folge: unspezifische Verdauungsstörungen, Durchfälle, Blähungen, ein aufgetriebener, schmerzhafter Bauch. 

• Da insbesondere getreidehaltige Nahrung so artwidrig für die Katze ist, kann sie Reizzustände und anhaltende Entzündungen im Verdauungstrakt hervorrufen. Neben den oben erwähnten Durchfällen zeigen viele Katzen ein ausgesprochenes Mäkelverhalten und Phasen gänzlicher Appetitlosigkeit, verlangen nach häufigen Futterwechseln und erbrechen häufig. 

Ein fataler Fehler wäre es hier, diese Symptomatik als „katzentypisch“ abzutun, sie als Ausdruck einer Launenhaftigkeit oder als Unpässlichkeit zu verstehen oder gar als Versuch, ein Dominanzspielchen mit dem/der TierhalterIn durchführen zu wollen. Dass es sich um eine Futtermittelunverträglichkeit handelt, ist in diesem Szenario weitaus wahrscheinlicher. 

 

Ist Nassfutter so viel besser? 

 

Doch was sich hier wie ein anatomisch begründeter Shitstorm gegen Trockenfutter liest, kann man wunderbar 1:1 auf jene Nassfuttermarken übertragen, die Tag für Tag über die Supermarktkasse gehen: leuchtend bunte, auffällige Verpackungen mit eingängigen Werbebotschaften, die dem/der TierhalterIn jedoch nur Abfallprodukte in jeglicher Zubereitungsform unter die Nase reiben. 

Wie bedauerlich, dass die Hersteller ihr Geld lieber in Marketing investieren als in vernünftige Rezepturen und Rohmaterialien – mit schwerwiegenden Konsequenzen für unser Tier. Wie können wir hoffen, dass vor allem unsere Katzen mit ihrem so sensiblen und so hochspezialisierten Verdauungstrakt gesund und agil bleiben, wenn wir uns keinerlei Gedanken um ihre Ernährung machen? 

Ein hochwertiges Nassfutter findet man nicht im Supermarkt, nicht im Drogeriemarkt oder im Discounter: Ein hochwertiges Nassfutter findet man, wenn man sich fokussiert auf die Suche danach begibt. Die Deklaration kann hilfreich sein, verrät uns jedoch nicht jede Kleinigkeit über Zusammensetzung und Zusatzstoffe. 

Eine kleine Orientierungshilfe: Die Deklaration sollte so detailliert und so offen sein, dass man das Futter nachkochen könnte, wenn man es denn wollte. Eine geschlossene Deklaration wie diese hier „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (43 %, u. a. 4 % Huhn), Getreide, Mineralstoffe, Zucker“ verrät nichts über den tatsächlichen Inhalt der Dose, sondern lediglich, dass der Hersteller seine Rezepturen tunlichst unter Verschluss halten möchte – sicherlich, weil er sich darüber im Klaren ist, dass dieses hochpreisige und als besonders elitär vermarktete Futter dank synthetischer Nahrungsergänzung allenfalls rechnerisch den Nährstoffbedarf der Katze deckt, ihren ernährungsphysiologischen Bedürfnissen jedoch keinerlei Rechnung trägt. 

Ein gutes Nassfutter enthält Muskelfleisch und Organfleisch, einen geringen pflanzlichen Anteil und ausreichend Feuchtigkeit, am besten ist es durch Nahrungsergänzungsmittel natürlichen Ursprungs angereichert und schonend erhitzt. Die Deklaration sollte offen und ersichtlich sein, die Futterempfehlungen des Herstellers nachvollziehbar. 

Mehr noch: Ein hochwertiges Futtermittel deckt den gesamten Energie- und Nährstoffbedarf der Katze, fördert ihre Gesundheit, Schönheit und Aktivität, reduziert ihre Kotmenge und den Geruch ihrer Ausscheidungen. 

 

Fazit zu Fertigfutter für Katzen

 

Angelehnt an den antiken Arzt Hippokrates von Kos, der schon im 5. Jahrhundert v. Chr. den Leitspruch auch der modernen ganzheitlichen Ernährungslehre formulierte („Lass die Nahrung deine Medizin sein und Medizin deine Nahrung“), muss die Fütterung gerade bei einem so ursprünglichen, so hochspezialisierten Organismus wie dem der Katze als Investition in eine nachhaltige Gesundheit betrachtet werden. Eine Entscheidung, die stark in der Verantwortung des Katzenbesitzers oder der Katzenbesitzerin liegt.

Investiert man lieber in Futter oder in Tierarztkosten? Möchte man über den Tellerrand tradierter Ernährungsmythen blicken oder die Fleischfresserin Katze weiterhin mit bunt gefärbten Müsli-Pellets füttern? Inwiefern sind sie sich bewusst, dass dieses schnurrende, samtpfötige Tierchen auf seinem Kopfkissen hinsichtlich seiner Physiologie noch immer ein Raubtier ist – und als solches gefüttert werden muss? 

Lasst uns die Konsequenzen ziehen: Lasst uns Trockenfutter und all dieses hochprozessierte, enzymatisch tote Futter eintauschen gegen eine Ernährung, die auf die Bedürfnisse der Katze Rücksicht nimmt – und Tier und HalterIn mit umfassender Gesundheit und Lebensfreude belohnt. 

Franzisca Flattenhutter

Ich bin Franzisca … und wohl der Inbegriff dessen, was man „verrückte Katzenlady“ nennt. Als Tierheilpraktikerin liegt mein Fokus auf klassischer Homöopathie und ganzheitlicher Ernährungsberatung – letzteres darf ich nun in der Online-Ausbildung zum/zur KatzenernährungsberaterIn an dich weitergeben.

DAS KÖNNTE DIR AUCH GEFALLEN

Kommentare zum Artikel (0)

SCHREIBE AUCH EIN KOMMENTAR

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

HALLO! ICH BIN PAULINA!

Ich bin zertifizierte Hundeenährungsberaterin, Mutter einer wundervollen Tochter und treue Begleiterin meines Seelenhund Balou.

Ich habe es mir zur Lebensaufgabe gemacht, Hunde mit der richtigen Ernährung und der Kraft unserer Natur zu einem artgerechteren Leben zu verhelfen.

So konnte ich schon Balous Leben vor 5 Jahren retten. Der Grund, warum es die Dogtisch Academy gibt und du jetzt diesen Artikel liest.